Sicherheitskultur im Wandel

Themen: Visualisierung 

 
 
  

Visualisierung

Die Macht der Bilder ist ein seit Jahrzehnten gebrauchte Metapher, die zunehmend auch in Auseinandersetzung mit Sicherheitsfragen an Relevanz gewinnt. Ferne Ereignisse erscheinen in den Medien ganz nah, Informationen sind ständig verfügbar – eben auch über Gefahren, Katastrophen und gewaltsame Konflikte. Wissen über und Einstellung zu Sicherheitspolitik wird dabei ganz wesentlich durch Bilder geprägt, die in Zeitungen, im Fernsehen und im Internet gezeigt werden. Immer wieder haben dabei besonders verstörende dokumentarische Aufnahmen zu Diskussionen über gesellschaftliche Mobilisierungseffekte und politische Legitimationsstrategien, aber auch über ethische Grundsätze und moralische Verantwortung in den Medien und der Politik geführt.

Vor diesem Hintergrund lässt sich vermuten, dass Globale Mediennetzwerke - CNN, Al Jazeera oder Twitter - einen Wandel der Sicherheitskultur in dem Maße befördern, wie neue Kommunikationsformen etabliert und gebraucht werden. Sowohl eine Pluralisierung der Angebote und eine zunehmende Symmetrie von Medienkonsumenten und -produzenten im Internet tragen zu einer alltäglichen Sichtbarkeit von Sicherheitsproblemen: Bilder der Terroranschläge vom 11. September 2001, Körperscanner und Überwachungskameras an Flughäfen, aber auch Visualisierung von ‚unsichtbaren‘ Gefahren wie Viren oder radioaktiver Strahlung. Medien schaffen jedoch nicht nur Sichtbarkeiten, sondern produzieren gleichsam auch neue blinde Flecken. Diesen Fragen nach der Macht von Bildern und dem Einfluss von Visualität auf den Wandel von Sicherheitskultur widmet sich das Projekt aus einer inter- und trans-disziplinären Perspektive.

Aktivitäten zum Thema

08/2012 It's a Family Affair: Germany as a Responsible Actor in Popular Culture Discourse Aufsatz in International Studies Perspectives

In 2001, Afghanistan became a threat to Germany, an act of "writing security" that resulted in a strong Bundeswehr involvement in military missions. But to defend itself at the Hindu Kush in such a proactive way, Stephan Engelkamp and Philipp Offermann show, seems to be at odds with the noninterventionist history and identity of the Federal Republic. This identity conflict is reflected in a fierce and ongoing discourse on foreign deployments and Germany’s identity as a responsible actor in world politics. This article looks into representations of this identity conflict in recent German TV films, where Afghanistan veterans and their families struggle to come to terms with the mission. But fighting in Afghanistan does not necessarily lead to peace in Germany; the veterans’ traumatic experiences in Afghanistan result in frictions and conflicts at home. Only when (and if) the mission is narrated as responsible behavior that brings stability, fights terrorism, and saves brown women from brown men, Germany can reconcile itself with its temporal other and with the current war.

Der Artikel kann bei ISP abgerufen werden, das institutionelle Abo vorausgesetzt [Download]

Literaturangabe:

Stephan Engelkamp, Philipp Offermann 2012: It's a Family Affair: Germany as a Responsible Actor in Popular Culture Discourse. In: International Studies Perspectives 13/3, Seite 235-253. doi: 10.1111/j.1528-3585.2012.00489.x

07/2012 A Buddha to Protect. Cyclone Nargis and the Visual Politics of Security Working Paper 12 | 2012

Im Mai 2008 wütete der Sturm Nargis über Myanmar/Burma, 140.000 Menschen wurden getötet. Das autokratisch regierte Land wies jedoch Katastrophenhilfe als innere Einmischung zurück und verweigerte die Einfuhr von Medikamenten und Lebensmitteln. Der französische Außenminister Kouschner drängte angesichts dieser Situation die UN zum Handeln, auf Grundlage der Responsibility to Protect (kurz R2P).

Dieser Akt der Versicherheitlichung steht allerdings im Kontrast zur Medienberichterstattung, wie Gabi Schlag in diesem Papier untersucht. Besonders das Bildmaterial aus dem Katastrophengebiet erzählt eine andere Geschichte. Die Photos der Berichterstattung von BBC.com zum Thema bilden ein visuelles Narrativ, welches keine Hilfsbedürftigkeit suggeriert, sondern kontrolliertes, besonnenes Vorgehen der lokalen Kräfte. Dieser Kontrast verweist auf die sprichwörtliche Macht der Bilder, welche die jeweiligen Bedingungen von Handlungsmöglichkeiten vorstrukturieren.

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05/2012 The Visualization of Uncertainty Aufsatz im Band "Iconic Power. Materiality and Meaning in Social Life"

Sociology has reacted to the modern challenge of the future with the concept of 'risk'. However, as often criticized, the concept of risk reduces social action to rationalistic techniques of calculation and probabilities. But rational calculation is only one strategy among many that deals with the unknowns of the future. Instead, as social scientists argue, modern states have to deal with both, with risks as well as with uncertainties. Beyond risk calculation, cultural forms have been developed in order to show how societies cope with unknown futures. Public imaginations of future scenarios in terms of uncertainties refer rather to images and icons, less to numbers. This essay by Valentin Rauer attempts to provide one step toward a more methodological refined approach to the study of such visualizations. [more]

Full citation:

Rauer, Valentin (2012): The Visualization of Uncertainty. In: Alexander, Jeffrey, Bartmanski, Dominik, Giesen, Bernhard (Eds.): Iconic Power. Materiality and Meaning in Social Life, New York: Palgrave MacMillan, S. 139-154.

05/2012 Securitizing Images: The female body and the war in Afghanistan Aufsatz im European Journal of International Relations, online

Referring to the recent 'visual turn' in Critical Security Studies, the aim of this article by Gabi Schlag and Axel Heck is threefold. First, by taking the concept of visual securitization one step further, we intend to theorize the image as an iconic act understood as an act of showing and seeing. This turn to the performativity of the visual directs our attention to the securitizing power of images. Second, this article addresses the methodological challenges of analysing images and introduces an iconological approach. Iconology enables the systematic interpretation of images as images by also taking their social embeddedness into account. In the third part of this article we apply this theoretical and methodological framework to analyse a cover of the TIME magazine published in summer 2010. The cover shows a young Afghan woman whose ears and nose were cut off accompanied by the headline: 'What happens if we leave Afghanistan'. This cover image not only provoked a heated debate in the USA about the (ab)use of images in order to legitimize the continuity of the war in Afghanistan, but shows how gender and the body are visually securitized.

Der Artikel kann beim EJIR abgerufen werden, das institutionelle Abo vorausgesetzt [Download]

Literaturangabe:

Gabi Schlag/Axel Heck 2012: Securitizing Images: The female body and the war in Afghanistan. European Journal of International Relations (published online 27 April 2012). DOI: 10.1177/1354066111433896

08/2011 Bildpolitik und Sicherheitskultur: Das TIME-Cover "Aisha" Aufsatz in S+F / Sicherheit + Frieden, 2011/2

Im Zeitalter globaler Mediennetzwerke haben Bilder von Kriegen, Gewalt und menschlichen Katastrophen einen starken Einfluss auf Sicherheitskulturen. In Auseinandersetzung mit dem visual turn, der seit geraumer Zeit auch in der kritischen Sicherheitsforschung rezipiert wird, schlägt der Beitrag einen ikonologischen Ansatz vor, um der vielbeschworenen Macht der Bilder auf den Grund zu gehen. Zentrales Anliegen ist es, Bilder als Bilder in der politikwissenschaftlichen Forschung ernst zu nehmen. Im zweiten Teil wird dieser Ansatz genutzt, um ein Titelbild der Zeitschrift TIME zu interpretieren. Dieses Bild, das eine junge, afghanische Frau zeigt, der als Bestrafung die Nase und Ohren abgeschnitten wurden, symbolisiert eine visuelle Ikone der Schutzverantwortung. Gleichsam offenbart diese symbolische Form auch eine grundlegende Spannung zwischen Versicherheitlichungs- und Politisierungsdynamiken von gender und Menschenrechten vor dem Hintergrund einer Begründung des Afghanistaneinsatzes. Solche Bilder, so das abschließende Ergebnis, sind Ausdruck von Sicherheitskultur und sollten eine stärkere Beachtung in der politikwissenschaftlichen Sicherheitsforschung finden.

Dieser Beitrag kann im Volltext beim NOMOS-Verlag heruntergeladen werden [Download]

Literatur
Schlag, Gabi 2011: Bildpolitik und Sicherheitskultur: Das TIME-Cover "Aisha", in: Sicherheit und Frieden 29, 2, 78-83.

05/2011 Human Terrain - War Becomes Academic Filmvorführung und Gespräch mit James Der Derian, Brown University

Human Terrain zeichnet die neue Strategie des US-Militärs nach, durch kultursensible Praktiken das Vertrauen der irakischen und afghanischen Bevölkerung zu gewinnen. Dabei wird auch die Kontroverse um eingebettete Wissenschaftler thematisiert, durch welche der Krieg auch an die Universitäten getragen wird. Am 30. Mai 2010 stellte Prof. James Der Derian vom Watson Institute for International Studies der Brown University seinen Film persönlich in Frankfurt vor.

Weitere Informationen zum Film finden sich hier [Human Terrain]

05/2011 Winning Wars: A Brief Iconography of Wars' Endings Gastvortrag von Prof. Dr. Jan Willem Honig, King's College London

Prof. Dr. Jan Willem Honig, Professor für "War Studies" am King's College in London, stellte in einem Gastvortrag seine ersten Überlegungen zur Ikonographie von Friedensverhandlungen und der Beendigung von Kriegen vor.

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Dritter Sammelband "Politik und Unsicherheit: Strategien in einer sich wandelnden Sicherheitskultur" erschienen Weiter »

Sammelband "Verunsicherte Gesellschaft - überforderter Staat" erschienen Weiter »