Sicherheitskultur im Wandel

Themen: Terrorismus 

 
 

Terrorismus

Terrorismus ist keinesfalls ein neues Phänomen. Viele europäische Staaten waren in den vergangenen Jahrzehnten mit sozial-revolutionären oder ethno-nationalistischen Terrorgruppen konfrontiert, etwa die ETA in Spanien und Frankreich oder die Roten Brigaden in Italien. Diese Gruppen waren jedoch vorrangig lokal organisiert und richteten sich gegen staatliche Autoritäten. Mit den Anschlägen am 11. September 2001 und der globalen Aufmerksamkeit, die Al-Qaida als transnationales Terrornetzwerk zu Teil wird, scheint Terrorismus dagegen einen neuen Charakter angenommen zu haben. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die demokratischen Gesellschaften des Westens, ihre Bürgerinnen und Bürger zunehmend zum Ziel religiös motivierter extremistischer Attentäter werden, während nicht-westliche Staaten als Unterstützer von fundamentalistischen Bewegungen wahrgenommen werden. Um ihre Bürger und Bürgerinnen zu schützen, haben westliche Demokratien Gegen- und Abwehrmaßnahmen ergriffen. Dazu zählt etwa die Sicherung von Flughäfen (Körperscanner, biometrische Erkennungsmethoden), aber auch die sogenannte Vorratsspeicherung von persönlichen Daten und die Überwachung des öffentlichen Raums. Viele dieser Maßnahmen sind jedoch umstritten, haben sie doch zum Teil weitreichende politische und normative Konsequenzen. Ob solche Maßnahmen tatsächlich die Sicherheit erhöhen oder vielmehr zu einer Erosion der normativen Grundlagen einer freien und freiheitlichen Gesellschaft beitragen, ist eines der Spannungsfelder, in dem westliche Demokratien sich zu Recht finden müssen.

Viele nehmen transnational agierende Terrorgruppen, im Besonderen Al-Quaida als eine der Hauptquellen für Unsicherheit und tägliches Risiko heutzutage war. Die Art und Weise wie Staaten und Gesellschaften mit der Gefahr eines terroristischen Anschlages umgehen, beeinflusst in einem hohen Maße das Sicherheitsempfinden von Individuen. Die individuellen Ansprüche und kollektiven Ansätze, um diesen Bedrohungen und Risiken zu begegnen, können dabei erheblich variieren. Einige Terror-Gegenmaßnahmen, wie beispielsweise die unrechtmäßige Überführung von Terrorverdächtigen, stellen nicht nur eine Verletzung geltenden Völkerrechtes dar (habeas corpus), sondern haben zu weitreichenden Protesten durch NGOs geführt. Während einige gesellschaftliche Gruppen Terrorismus als die zentrale sicherheitspolitische Herausforderung ansehen und neue Kontroll- und Überwachungstechniken befürworten, fühlen sich andere Gruppen gerade durch diese Anti-Terrormaßnahmen in ihren individuellen Bürger- und Freiheitsrechten bedroht. Vor dem Hintergrund dieser Spannungsverhältnisse könnte man vermuten, dass sich nicht nur eine, sondern unterschiedliche Sicherheitskulturen und Subkulturen manifestieren, die eher einer Fragmentierung denn Integration von Ansprüchen und Fähigkeiten Vorschub leisten. Das Forschungsprojekt untersucht diese Entwicklungen auf der individuellen, gesellschaftlichen und internationalen Ebene.

Aktivitäten zum Thema

05/2012 Securitizing Images: The female body and the war in Afghanistan Aufsatz im European Journal of International Relations, online

Referring to the recent 'visual turn' in Critical Security Studies, the aim of this article by Gabi Schlag and Axel Heck is threefold. First, by taking the concept of visual securitization one step further, we intend to theorize the image as an iconic act understood as an act of showing and seeing. This turn to the performativity of the visual directs our attention to the securitizing power of images. Second, this article addresses the methodological challenges of analysing images and introduces an iconological approach. Iconology enables the systematic interpretation of images as images by also taking their social embeddedness into account. In the third part of this article we apply this theoretical and methodological framework to analyse a cover of the TIME magazine published in summer 2010. The cover shows a young Afghan woman whose ears and nose were cut off accompanied by the headline: 'What happens if we leave Afghanistan'. This cover image not only provoked a heated debate in the USA about the (ab)use of images in order to legitimize the continuity of the war in Afghanistan, but shows how gender and the body are visually securitized.

Der Artikel kann beim EJIR abgerufen werden, das institutionelle Abo vorausgesetzt [Download]

Literaturangabe:

Gabi Schlag/Axel Heck 2012: Securitizing Images: The female body and the war in Afghanistan. European Journal of International Relations (published online 27 April 2012). DOI: 10.1177/1354066111433896

08/2011 Bildpolitik und Sicherheitskultur: Das TIME-Cover "Aisha" Aufsatz in S+F / Sicherheit + Frieden, 2011/2

Im Zeitalter globaler Mediennetzwerke haben Bilder von Kriegen, Gewalt und menschlichen Katastrophen einen starken Einfluss auf Sicherheitskulturen. In Auseinandersetzung mit dem visual turn, der seit geraumer Zeit auch in der kritischen Sicherheitsforschung rezipiert wird, schlägt der Beitrag einen ikonologischen Ansatz vor, um der vielbeschworenen Macht der Bilder auf den Grund zu gehen. Zentrales Anliegen ist es, Bilder als Bilder in der politikwissenschaftlichen Forschung ernst zu nehmen. Im zweiten Teil wird dieser Ansatz genutzt, um ein Titelbild der Zeitschrift TIME zu interpretieren. Dieses Bild, das eine junge, afghanische Frau zeigt, der als Bestrafung die Nase und Ohren abgeschnitten wurden, symbolisiert eine visuelle Ikone der Schutzverantwortung. Gleichsam offenbart diese symbolische Form auch eine grundlegende Spannung zwischen Versicherheitlichungs- und Politisierungsdynamiken von gender und Menschenrechten vor dem Hintergrund einer Begründung des Afghanistaneinsatzes. Solche Bilder, so das abschließende Ergebnis, sind Ausdruck von Sicherheitskultur und sollten eine stärkere Beachtung in der politikwissenschaftlichen Sicherheitsforschung finden.

Dieser Beitrag kann im Volltext beim NOMOS-Verlag heruntergeladen werden [Download]

Literatur
Schlag, Gabi 2011: Bildpolitik und Sicherheitskultur: Das TIME-Cover "Aisha", in: Sicherheit und Frieden 29, 2, 78-83.

 Home | Impressum | Kontakt | RSS | © 2020 Goethe-Universität
 

News

Working Paper zur Sicherheitskultur als interdisziplinäres Forschungsprogramm, Interobjektivität, Humanitären Interventionen, zum Umgang mit Unsicherheit sowie zum AIDS Diskurs erschienen Weiter »

Dritter Sammelband "Politik und Unsicherheit: Strategien in einer sich wandelnden Sicherheitskultur" erschienen Weiter »

Sammelband "Verunsicherte Gesellschaft - überforderter Staat" erschienen Weiter »