Sicherheitskultur im Wandel

ProjektEbenen: International 

 
 

Internationale Sicherheit - Die Makroebene

Das Forschungsprojekt untersucht auf der Makroebene die Nahtstelle zwischen gesamtgesellschaftlicher und internationaler Sicherheit. Hier stellt sich der Wandel der Sicherheitskultur als nicht-intendiertes Resultat eines längerfristigen Emanzipationsprozesses der Gesellschaft vom Staat dar. Der Staat wird somit zunehmend zum Opfer seines eigenen Erfolgs, denn gesellschaftliche Emanzipation ist auf ein relativ friedliches Umfeld angewiesen und die Gesellschaft artikuliert erst dann weitergehende Sicherheitsbedürfnisse, wenn die nationale Sicherheit militärisch gewährleistet ist. Sobald dies aber geschieht, so die Ausgangsthese, drohen gesellschaftliche Sicherheitsanforderungen und staatliche Fähigkeiten, auseinander zu fallen.

Man könnte nun annehmen, dass ein de-nationalisiertes und globalisiertes Sicherheitsverständnis neue Kooperationsmöglichkeiten in Bereichen eröffnet, die vormals durch nationale Egoismen verschlossen waren. Was sich indes abzeichnet, ist die Akzentuierung von Konflikten und die Entstehung neuer Kontroversen über die relative Bedeutung von spezifischen Gefahren (z.B. des internationalen Terrorismus oder der globalen Umweltzerstörung), wie ihnen zu begegnen sei und welche Rolle dabei internationale Institutionen spielen sollten - und dies obwohl ein deklaratorischer Konsens über den erweiterten Sicherheitsbegriff besteht. Man denke nur an das Unvermögen, sich über konkrete Klimaziele zu einigen trotz eines symbolischen Bekenntnisses zu ökologischer Sicherheit; an die Schwierigkeiten, die UN-Millenniumszielen in Ansätzen zu verwirklichen, trotz einer allgemeinen Akzeptanz des Konzepts menschlicher Sicherheit; an die anhaltende Gewalt und Vertreibung in Darfur oder im Ostkongo, obwohl alle Staaten sich zu einer globalen Schutzverantwortung bekannt haben; oder an die Kontroversen über die internationale Terrorismusbekämpfung trotz der Einsicht, dass es sich um ein globales Sicherheitsproblem handelt.

Das Projekt untersucht die Konsequenzen und Strategien für den Umgang mit diesen Paradoxien, Differenzierungs- und Institutionalisierungsprozessen auf internationaler wie nationaler Ebene - aber auch deren Nebeneffekte: Präventive Kriegführung ist nur das offensichtlichste Beispiel dafür, wie proaktive Sicherheitspolitik die normativen Grundlagen der internationalen Politik unterminieren kann. Das Projekt untersucht die nicht-intendierten Effekte von Sicherheitspolitik und schlägt Strategien vor, die einerseits dem erweiterten Sicherheitsbedürfnis Rechnung tragen sollen, andererseits aber die Normen und Institutionen der internationalen Gesellschaft schonen.

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