Sicherheitskultur im Wandel

ProjektEbenen: Individuell 

 
 

Individuelle Ebene - Die Mikroebene

Auf der Ebene der BürgerInnen ist das Ziel, den Wandel der Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger von Sicherheit und Unsicherheit sowie die Veränderung ihres Verhaltens zu erfassen und hinsichtlich der Ursachen, Folgen und Strategien zu erklären. Das individuelle Sicherheitsbedürfnis wächst und richtet sich auf immer neue Risiken. Menschen in westlichen Industrieländern haben einerseits Angst, selbst Opfer von Terroranschlägen, hochansteckenden Krankheiten, Naturkatastrophen oder Kriminalität zu werden, andererseits nehmen sie zunehmend auch geographisch fernere Probleme wie Hungersnöte in Afrika oder Überschwemmungen in Asien als 'ihre' Probleme wahr, sei es aus einem Gefühl der Solidarität oder aufgrund des Wissens, dass solche Ereignisse jene Probleme mit verursachen können, von denen sie selbst betroffen wären - zum Beispiel Terrorismus oder Migration. Wie auf den beiden anderen Ebenen unserer Forschung fragt das Projekt auch hier nach den Ursachen und den Folgen des erweiterten Sicherheitsbedürfnisses und identifiziert Strategien für den Umgang damit.

Warum haben wir also vor immer mehr Phänomenen Angst und fühlen uns immer häufiger zumindest mittelbar betroffen? Die Ausgangsthese hierzu lautet, dass für diese Veränderung in erster Linie die großen gesellschaftlichen Veränderungen verantwortlich sind, die wir auch auf der internationalen und nationalen (Makro)ebene rekonstruieren: Durch den Prozess der Globalisierung rücken ferne Probleme näher an uns heran, die Individualisierung der Lebensstile führt zu individualisierten und dadurch im Vergleich zu früher deutlich heterogeneren Bedrohungswahrnehmungen und die Pluralisierung der gesellschaftlichen Deutungsangebote führt zum Verlust einer eindeutigen Orientierung darüber, was gefährlich ist. Hinsichtlich der Folgen der ober geschilderten Trends lautet unsere vorläufige These, dass das erweiterte Sicherheitsbedürfnis zu einem individuellen Verhalten führt, bei dem versucht wird, in ganz unterschiedlichen Bereichen des sozialen Lebens Sicherheit zu maximieren.

Welche politischen Strategien erscheinen schließlich angesichts dieser Entwicklung sinnvoll? Soll die Politik versuchen, möglichst umfassend für Sicherheit zu sorgen, um so das individuelle Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen? Oder droht ein stetig wachsendes und wechselndes Sicherheitsbedürfnis angesichts knapper staatlicher Ressourcen die Erfolgsaussichten dieser Strategie zu unterminieren? Ist dagegen der in der Risikoforschung gängige Vorschlag, dass die Politik auf die individuellen Sicherheitswahrnehmungen 'aufklärend' einwirken sollte, realistischer? Wie und von wem wird Sicherheitskommunikation mitgestaltet und zu welchem Zweck? Wie wird in der Praxis der öffentlichen Auseinandersetzung zwischen fiktiven und faktischen Bedrohungen unterschieden?

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